Vor 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen - und veränderte die Welt nachhaltig.

„Die volle Wucht der Reformation“ – so werben die Organisatoren für die drei Nationalen Sonderausstellungen im 500. Jubiläumsjahr der Reformation. Dazu zeigen sie den Hammer, eines der Symbole des Reformators Martin Luther schlechthin. Denn das ist das Bild, das Menschen in aller Welt von ihm haben: Wie er am 31. Oktober 1517 vor der Wittenberger Schlosskirche steht und seine 95 Thesen an die schwere Holztür nagelt. Thesen, die die Praktiken der katholischen Kirche tiefgehend kritisierten und einen Wandel des Glaubens forderten.

Genau diesen Mann und diesen Moment feiern Protestanten weltweit 500 Jahre später. Dass Luther seine Thesen womöglich gar nicht selbst an die Tür schlug – falls das überhaupt irgendjemand tat und Luther sie nicht einfach per Brief kundtat – spielt für sie dabei eine untergeordnete Rolle. Wichtig sind ihnen Luthers Mut zur Kritik, seine Unangepasstheit, seine Beharrlichkeit, die sich in dem ihm zugeschriebenen Ausspruch bündelt: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“

Prägend für die deutsche Sprache
Blick auf ein originales Übersetzungsmanuskript Martin Luthers zum Alten Testament von 1530 auf der Wartburg in Eisenach Bild vergrößern Blick auf ein originales Übersetzungsmanuskript Martin Luthers zum Alten Testament von 1530 auf der Wartburg in Eisenach (© picture alliance/ ZB) Mit seinen Worten und Taten hat Luther viel verändert – in der Kirche, aber auch in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst. Nebenbei war er Schöpfer einer Vielzahl von Sprachbildern, die im Deutschen bis heute ganz selbstverständlich verwendet werden. Um all diese Anstöße geht es bei den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum. Sie laufen an den verschiedenen Orten, an denen Luther gewirkt hat: in seiner Heimatstadt Eisleben etwa, an seinem Studienort Erfurt, auf der Wartburg, wo er sich – verurteilt als „Ketzer“ – ein knappes Jahr versteckte und die Bibel ins Deutsche übersetzte, und natürlich in Wittenberg. Neben den Errungenschaften Luthers geht es dabei auch um seine dunklen Seiten, etwa um seinen Antisemitismus.

Luthers Haltungen zum Judentum seien bestürzend und strikt abzulehnen, so Bundespräsident Joachim Gauck, der am Reformationstag beim staatlichen Festakt in Berlin Hauptredner ist. Das Jubiläum versteht Gauck dennoch als Chance, „dass eine moderne, suchende Gesellschaft in einer verführbaren Welt sieht, dass es mit Luther eine historische Gestalt gibt, die bei der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit hilft und Gottvertrauen schenken kann“. Luthers Verständnis von der Freiheit, „die eben nicht nur Freiheit von etwas ist, sondern vor allem Freiheit zu etwas“, könne auch der Politik von heute als Orientierung dienen.

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500 Jahre Reformation

Schwarz-weißes Portrait von Luther als Logo des Lutherjahres

Die volle Wucht der Reformation

Drei Nationale Sonderausstellungen in Berlin, Eisenach und Lutherstadt Wittenberg. Einmalig von April bis November 2017.