Energiewende in Deutschland

Erneuerbare Energien: Solarenergie Bild vergrößern Solaranlage Adlershof - Poly Mover (Solarmodule) (© .de - Magazin Deutschland www.magazin-deutschland.de)

Die Bundesregierung hat sich im Juni 2011 zu einer Beschleunigung der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energieträger entschlossen: Als erste Industrienation der Welt will Deutschland komplett auf Kernenergie verzichten.

Die Grundsatzentscheidung des Bundeskabinetts wurde am 06. Juni 2011 durch den Beschluss, acht Kernkraftwerke abzuschalten und einen stufenweisen Atomausstieg bis 2022 zu realisieren, konkretisiert. In einer historischen Entscheidung besiegelte der Bundestag am 30.Juni 2011 die Beendigung der Kernenergienutzung in Deutschland, welche durch das „Dreizehnte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes“ abschließend geregelt wird. Nach der Zustimmung des Bundesrates am 08.07.2011 und der Unterzeichnung durch Bundespräsident Christian Wulff am 01.08.2011 ist das Gesetz mittlerweile in Kraft getreten. Es beinhaltet, dass die acht abgeschalteten Kernkraftwerke nicht wieder in Betrieb genommen werden und von den verbliebenen je eines in den Jahren 2015, 2017 und 2019 sowie jeweils drei in den Jahren 2021 und 2022 abgeschaltet werden.

Die folgenden FAQs sollen dazu dienen, über die Hintergründe der Energiewende in Deutschland zu informieren und die Auswirkungen für zukünftige Entwicklungen zu erläutern.

Was sind die entscheidenden Gründe für die BuReg, bis 2022 komplett aus der Kernenergie auszusteigen? 

Entscheidend für die beschleunigte Abkehr von der Kernkraft ist, dass ein Restrisiko der Kernkraft nicht auszuschließen ist. Das Beispiel Fukushima in einem High-Tech Land hat aufgezeigt, dass Fehleinschätzungen möglich sind. Dass deutsche KKW nach internationalem Standard vergleichsweise sicher einzuschätzen sind, ändert an dieser grundsätzlichen Einschätzung nichts.


Ist DEU vorbereitet, innerhalb von nur 10 Jahren komplett aus der Kernenergie auszusteigen?


Der Ausstieg ist schon lange Konsens in der Bundesregierung und wurde bereits im Energiekonzept 2010 festgeschrieben. Jetzt wird allerdings der Weg dahin kürzer.
Zahlreiche Studien belegen übereinstimmend, dass ein Umbau der Energiewirtschaft ohne Kernenergie möglich ist und langfristig große Chancen und wirtschaftliche Vorteile bieten
kann. Der wegfallende Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung soll mittelfristig durch neue, effiziente fossile Kraftwerke, den Ausbau und eine fortschreitende Marktintegration der
erneuerbaren Energien sowie eine Steigerung der Energieeffizienz kompensiert werden. 


Nach Tschernobyl hat DEU seine Nuklearpläne auf Eis gelegt während Nachbarn z.T. kräftig ausgebaut haben. Gibt es nach Fukushima einen vergleichbaren Trend in DEU? Ist es eine überhastete emotionale Entscheidung, aus der KE auszusteigen?


Deutschland hat im vergangenen Jahr mit dem Energiekonzept die Grundentscheidung getroffen, seine Energieversorgung in Zukunft aus erneuerbaren Energien zu decken und
innerhalb eines bestimmten Zeitraums aus der Kernenergie auszusteigen. Dies ist gesellschaftlicher Konsens. Der nun beschlossene schnellere Ausstieg aus der Kernenergie
erfordert, dass wir auch den dafür erforderlichen Umbau der Energieversorgung deutlich beschleunigen. Dies ist mit großen Herausforderungen, aber auch mit neuen Chancen
verbunden. Entscheidend für die jetzt getroffenen Weichenstellungen sind rationale ökologische, ökonomische, aber auch ethische Beweggründe. Der grundlegende Umbau der
Energieversorgung wird mit Chancen für die kommenden Generationen verbunden sein. Diesen Umbau in der Praxis umzusetzen, wird nicht einfach werden. Aber wenn wir uns der
Herausforderung stellen, eröffnet dieser Umbau zugleich neue technologische und ökonomische Perspektiven für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Wirtschaftsstandort
und Exportnation (z.B. energieeffiziente Produkte, erneuerbare Energien, hocheffiziente Kraftwerke). Moderne Umwelttechnologie: Windkraftanlage in Ostdeutschland Bild vergrößern Moderne Umwelttechnologie: Windkraftanlage in Ostdeutschland (© .de Magazin Deutschland - www.magazin-deutschland.de)

EU-Kommissar Oettinger hat gesagt, DEU Ausstieg könne nur dann funktionieren, wenn es erhebliche Fortschritte bei der Energieinfrastruktur gibt. Welche Auswirkungen wird die DEU Entscheidung auf die europäischen Nachbarn haben?

Der Ausbau der Energieinfrastruktur (Netze, Kraftwerke, Speicher) ist eine entscheidende Voraussetzung für den angestrebten Umbau der Energieversorgung. Das Energiekonzept sieht
deshalb eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, um die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen zu beschleunigen. Das nun beschlossene Energiepaket (Bundestag 30.6.; Bundesrat 8.7.)
enthält zudem wichtige Maßnahmen für den beschleunigten Ausbau gerade der Netze. Deutschland kann und wird auch in Zukunft den Anspruch haben, die notwendigen
Kapazitäten vorzuhalten, um seinen Strombedarf vollständig selbst zu decken. Unabhängig davon befindet sich Deutschland im Zentrum des EU Binnenmarkts, in dem der
grenzüberschreitende Handel mit Strom mit den entsprechenden Lastflüssen zum Alltag gehört.

Wird DEU auf andere Staaten einwirken, ebenfalls aus der Kernenergie auszusteigen?

Jedes Land hat das Recht, über die Form seiner Energieversorgung frei zu entscheiden. Die Rolle Deutschlands wird in Zukunft darin liegen, mit der Gestaltung der Energiewende in
Deutschland Alternativen zur Nutzung der Kernenergie aufzuzeigen und so zur Nachahmung anzuregen. Deutschland ist hinsichtlich der Kernkrafttechnik an möglichst hohen
internationalen Sicherheits-Standards interessiert und strebt hierzu internationalen Austausch an.


Wie ist der Zeitplan für den Ausstieg? 



Wir werden stufenweise bis spätestens Ende 2022 aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland aussteigen. Die während des Moratoriums abgeschalteten sieben ältesten
Kernkraftwerke sowie das Kernkraftwerk Krümmel bleiben dauerhaft vom Netz. Spätestes Enddatum für die übrigen Kernkraftwerke: 2015 Grafenrheinfeld, 2017 Gundremmingen B,
2019 Philippsburg 2, 2021 Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf sowie 2022 für die drei jüngsten Anlagen Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2.

Wie wirkt sich die Entscheidung zum Ausstieg auf DEUs Energiekonzept aus? 



Das Energiekonzept bleibt der Kompass der künftigen Energiepolitik. Die Ziele und die Ausrichtung des Energiekonzepts bleiben bestehen. Die Maßnahmen - insbesondere zum
Netzausbau, Ausbau der Windkraft und Erneuerung des Kraftwerksparks - werden beschleunigt umgesetzt. Solarsiedlung in Freiburg Bild vergrößern Solarsiedlung in Freiburg (© .de Magazin Deutschland - www.magazin-deutschland.de)

Wie wird DEU die fehlenden 23% an Elektrizität ersetzen?

Deutschland kann die derzeit stillgelegten Kernkraftwerke sicher mit vorhandenen Reserven und moderaten Importen kompensieren. Im Frühjahr standen z. B. aufgrund des Moratoriums
und anfallender Revisionen kurzzeitig 12 von 17 KKW still; dies konnte mit den vorhandenen Reserven, durch Stromimporte und der vorhandenen Netzinfrastruktur kompensiert werden.
Selbstverständlich kann hier nicht generalisiert werden. Anspruchsvoller als im Frühjahr ist die Situation in den nächsten beiden Wintern. Aber auch insoweit gehen wir davon aus, dass
die deutsche Energiewirtschaft diese anspruchsvolle Aufgabe meistern wird. Die im Zeitablauf bis 2022 nach und nach vom Netz gehenden weiteren Erzeugungskapazitäten
deutscher KKW, die in Deutschland bisher rund 23 % Elektrizität produzierten, sollen zukünftig durch einen Mix aus weiterem Ausbau der erneuerbaren Energien, Zubau bereits
geplanter und weiterer fossiler Kraftwerke, Energieeffizienz und eine Nutzung auch der Möglichkeiten des internationalen Stromverbund kompensiert werden.


Stellen Erneuerbare eine ausreichende Alternative dar?


Ja. Zahlreiche und umfassende Studien (u.a. Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung, Leitstudie des BMU) belegen, dass die erneuerbaren Energien einen
Hauptanteil des Energiemix der Zukunft übernehmen können. Für eine sichere Energieversorgung wird jedoch bei einem erheblichen Zuwachs von fluktuierender Erzeugung
aus Windkraft und Sonnenenergie solange auch ein Zubau von konventionellen Kraftwerken erforderlich sein, bis es ausreichende wirtschaftliche Möglichkeiten der langfristigen
Speicherung von elektrischer Energie gibt. Es könnte aber auch der Import, z.B. von Solarstrom aus Ländern Nordafrikas, perspektivisch
und langfristig einen Beitrag für die zukünftige europäische Energieversorgung leisten. Wichtig ist aber, dass der Stromverbrauch insgesamt zurückgeht. Und dazu müssen wir die
Energieeffizienz weiter voranbringen.


Hat der schnellere Ausstieg Auswirkungen auf die Klimaschutzziele Deutschlands?


Der Kernkraftausstieg ist im Grundsatz klimaneutral. Zwar werden durch den Ausstieg die CO2-Emissionen im deutschen Stromsektor zunehmen. Dieser Anstieg wird durch den
Emissionshandel jedoch in anderen Sektoren in Deutschland und Europa vollständig kompensiert. Damit bleiben auch kurzfristig die Treibhausgasemissionen in Europa konstant,
weil der Emissionshandel eine EU-weite Obergrenze für Treibhausgasemissionen setzt. Die deutschen Klimaschutzziele haben unverändert Gültigkeit.


Welche Kosten sind mit dem schnellerem Ausstieg aus der Kernenergie verbunden?


Der Ausstieg ist nicht zum Nulltarif zu haben. Durch den Wegfall der Stromerzeugung aus Kernkraftwerken ist kurz- und mittelfristig mit höheren Strompreisen zu rechnen. Aktuelle
Studien gehen von einem direkt dem schnelleren Ausstieg zurechenbaren Strompreis-Anstieg in der Größenordnung von einem Cent pro Kilowattstunde aus. Die Bundesregierung verfolgt
vor diesem Hintergrund das Ziel, den Weg in das regenerative Zeitalter gangbar, wirtschaftlich und auch ökonomisch nachhaltig zu gestalten. 


Was macht die Bundesregierung, um die Belastungen für die energieintensive Industrie zu mindern?


Die rund eine Million Beschäftigen in der energieintensiven Industrie leisten einen wichtigen Beitrag für de Wertschöpfung in unserem Land. DEU soll auch in Zukunft ein wichtiger
Industriestandort mit wettbewerbsfähigen Energiepreisen bleiben. Da auf die energieintensiven Unternehmen ab 2013 emissionshandelsbedingte Strompreiserhöhungen
zukommen, sieht die Bundesregierung eine Kompensation aus Mitteln des Energie -und Klimafonds vor und setzt sich bei der Europäischen Kommission für die Genehmigung dieser
staatlichen Beihilfe ein. Zudem sieht die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine Ausweitung der besonderen Ausgleichsregelungen zur Entlastung stromintensiver
Unternehmen bei den EEG-Umlagekosten vor.

Energiewende in Deutschland

Energiewende voraus!